NOVAG UNIVERSAL Electronic Chess Board – im praktischen Einsatz

Entgegen vieler landläufiger Annahmen, ist das elektronische Magnetsensor-Schachbrett von NOVAG, das Universal Electronic Chess Board, fähig, mit Schachprogrammen verschiedenster Art zu spielen. Dessen Befehlsstruktur, wenn auch noch trivial aufgebaut, kann mit ein paar Tricks sogar mit aktuellen Laptops/Betriebssystemen kommunizieren. Daher ist es nicht unbedingt veraltet. Stattdessen ist es erstaunlich wie vielseitig dieses Board anwendbar ist. Damals dachte niemand an softwareseitige Schnittstellen im elektronischen Schach (wie z.B. das UCI-Protokoll), noch viel weniger an Ghz-schnelle Hardware oder 64-bit Betriebssysteme. Bedenkt man die Zeit, in der NOVAG dieses Brett produzierte, wird klar, das im IBM-PC-Sektor gerade ein 80486-Prozessor Stand der Dinge war. DOS 4.01 die dazugehörige Software, die angewendet wurde.

Technisch betrachtet, das Universal Chess Board, welches eine Schnittstelle zum PC besaß, musste eher mit diesem Feature als Projekt für die Zukunft betrachtet werden. Die serielle Verbindung zum PC wurde mittels eines RJ-12/25-poligen Adapters hergestellt. Die dedizierten Schachcomputer von NOVAG wurden beidseitig mit einem RJ-12-Stecker verbunden. Was die Entwickler von einst in jenem Moment wohl weniger ahnten, war, das durch dieses Board einmal Vergangenheit und Zukunft in einer zeitlichen Linie liegen könnten. Um es kurz und anschaulich zu machen, ist es aus heutiger Sicht möglich, mit dem NOVAG Universal Electronic Chess Board, nicht nur gegen die von Hersteller damals in Kombination angebotenen Schachcomputer NOVAG Sapphire I und Sapphire II zu spielen, sondern gleichermaßen gegen die intelligent und aufwendig programmierten Emulationen von dedizierten Schachcomputern früherer Hersteller (MEPHISTO, NOVAG, SCISYS, CHAFITZ, FIDELITY ect:). In den Jahren nach 1990 ist es nicht nur Dave Kittinger gewesen, der für NOVAG programmierte (dessen Software Wchess 1.5 für das Board angepasst wurde), vielmehr taten dies auch weitere Programmierer wie Frans Morsch und Richard Lang, die Fritz 3 respektive Genius 3 für das NOVAG Universal Chess Board zugänglich machten.

Im DOS 6.22, Windows 3.11, Windows 95 Zeitalter wurden nun die technischen Möglichkeiten zur Umsetzung geschaffen, die der Hersteller NOVAG Jahre zuvor hardware-seitig platzierte. Danach gingen ca. 5 Jahre ins Land bis die UCI-Schnittstelle (Universal Chess Interface) entwickelt wurde. Lediglich die Winboard-Schnittstelle (WB) existierte bereits. Es dauerte nochmal etwas bis Schachprogramme entsprechend angepasst worden sind und weitere Sonderfunktionen wie (Novag-Unterstützung, DGT-Anbindung, Autoplayer ect.) mit den Programmen zusammenarbeiteten. Eine der letzten Barrieren, die durchbrochen wurden, war der Gedanke der Emulation von früheren Schachcomputern als reiner Softwarelösung. Konnte bereits die DOS-Emulation (DOSBOX) viele alte DOS-Engines wieder in den Mittelpunkt bringen, und auch hier war die physische Einbindung von Board und Laptop im Bereich des Machbaren, so war es mit Unterstützung der WB-Schnittstelle jetzt darüber hinaus möglich, den software-basierten Schachcomputer (z.B. Fideltiy Sensory Champion) von 1981 per Arena Schachprogramm auf ein modernes DGT-Board zu übertragen, insofern im Menü Extra unter „Configure DGT-Chessboard“ die Einstellungen aktiviert wurden. Während jenes natürlich gleichermaßen per UCI-Interface geschah, wollte man mit modernen Engines a la Stockfish die Züge auf das DGT-Brett senden.

Das selbe Prinzip funktioniert erstaunlicherweise auch mit einem RS232-Chessboard, das 1995 für kurze Zeit produziert wurde, durch den in Arena integrierten Autoplayer. Zusätzlich ist auch der NOVAG Citrine (Schachcomputermodell von 2006) dafür vorgesehen was durch die implementierte Unterstützung in Arena (Extras „Configure Novag-Chessboard“) ermöglicht wird. Schwieriger wird es für das NOVAG Universal Electronic Chess Board, weil die vereinfachte interne Befehlsstruktur keine Kommunikation zuließ. Vor einigen Jahren wurde jedoch ein Treiber entwickelt, der Arena ein DGT-Board vorgaukelt. Das passiert mit einer spezifischen DLL- und einer Konfigurationsdatei. Grundsätzlich braucht es zwei Eingaben, was bedeutet, das nach dem ersten Start die Prozedur wiederholt werden muss. Nach einem kurzen Zeit- Delay wird in der Regel das Universal Chess Board erkannt und die Züge werden einwandfrei übertragen.

Zusammengefasst sind mit dem NOVAG Universal Electronic Chess Board, Baujahr 1989/90, Schachpartien spielbar, die gegen eine Gegnerschaft (von 1977 Fidelity Chess Challenger 1 bis zu 2022 Stockfish 15 NNUE), ausgetragen, beziehungsweise auf das Board software-seitig übertragen werden können.

DOS-PC-Schach – Nimzo 3.5

Programm: Nimzo 3.5

Betriebssysteme: DOS 6.22 / Windows 3.11 / Windows 95 (Hashtable-Begrenzung)

Virtuell: DOSBOX 0.74 auch über Windows 10

Elo: ca. 2380 auf Pentium 90 Mhz (SSDF-Rating-List Januar 2000)

Eröffnung: Turnierbuch mit mehr als 100.000 Positionen.

Mittelspiel: eher druckvoll, aktiv, dennoch stark im Defensivbereich.

Endspiel: in Augenhöhe mit Programmen seinerzeit. Behandelt selbst komplizierte Bauernendspiele erstaunlich stark. Im Aegon-Turnier 1996 verlor GM Kosaschwili exakt ein solches. Es war die Vorgängerversion Nimzo 3 (Spielstärke nahezu gleich).

Besonderheiten: Spielstil-Menü, was die Einstellungen „Horizont-Drohung“ und „Remis-Bewertung“ zum Inhalt hat. Ersteres hat in gewisser Weise mit Suchbaumeinstellungen zu tun, die auf seltene Positionen begrenzt, bestimmte Kriterien berücksichtigen. Im zweiten Fall ermöglicht die Einstellung eine Anweisung an das Programm, gegen schlechtere Gegner ein Remis zu vermeiden, auch wenn das Ergebnis jenes theoretisch vermuten lässt. Im Gegensatz zu Genius 4, welches hier viel deutlicher ins Remis einlenken würde. Im Umkehrschluss akzeptiert Nimzo das Remis in leicht besserer Stellung, falls der Gegner als definitiv stärker eingestuft wird.

Meine Meinung dazu: sehr interessant und sicher in Engine-Turnieren ansatzweise umsetzbar, sobald die Anzahl an Partien zwischen den Programmen steigt. Gegen menschliche Gegner dürfte es für das Programm schwieriger werden, weil die konkreten Anhaltspunkte fehlen. Ausnahme: es fanden zuvor aussagekräftige Matches „Man-Machine“ statt.

Events: 3. Platz bei der Microcomputer-WM 1996 Jakarta mit Nimzo 3.5

Programmautor: Chrilly Donninger/Österreich

Eingeschränkte Brettanbindung: Novag Universal Chessboard (UCB). Die gegnerischen Züge können auf dem Brett ausgeführt werden, werden aber nicht per LED angezeigt, wodurch ein Blick auf die 2D-Ansicht im DOS-Programm nötig ist, welches aber ein Ton-Signal sendet.

Die eingegebenen Züge werden per LED vom Brett registriert, seriell zum DOS-Programm Nimzo 3.5 übertragen und somit über den Screen ausgeführt.

Voraussetzungen: Steckerverbindung RJ12 mit seriellem 25-poligen Adapter zu IBM-PC´s der frühen Generationen, welche über eine 25-polige serielle Schnittstelle verfügten.

In der Regel jene alten Zeitgenossen mit Intel 80386 / 80486/ oder Pentium Prozessoren.

Wahlweise geht das auch über einen seriellen Adapter (25-polig / 9-polig) als Zweitadapter, welcher wiederum an einen 9-poligen FTDI-Chip-USB-Adapter angeschlossen wird um mit modernen Systemen kommunizieren zu können.

Software: DOSBOX 0.74: COM-Port wird in der Config-Datei eingestellt.

Baudrate: 9600, Data-Bits: 8, Stop-Bit: 1, No Parity

Zwischengeschaltete Hardware: Novag Super System Distributor

Anmerkung zur Verwendung des Novag Universal Chessboards in der Praxis: speziell was Nimzo 3.5 betrifft, existiert aus der Vergangenheit kein Novag-eigener Treiber für das Programm von C. Donninger. Selbstverständlich für ein paar andere wie beispielsweise Genius 3, Fritz 3, Wchess 1.5 oder Hiarcs 6. Um mit den Erwähnten die jeweilige Brettverbindung herzustellen, wird ein minimal kleines Treiberprogramm in den DOS-Speicher geladen. Gestartet wird dieses aus dem Programmordner (am Beispiel von Hiarcs 6) mit dem Befehl „thiarcs /1“, vorausgesetzt das Spiel soll gegen jenes Programm erfolgen. Die Belegung muss hierzu auf dem COM-Port 1 liegen. Im Anschluss wird die „hiarcs6.exe“ ausgeführt und das Programm selbst aufgerufen.

Damit die gleiche Prozedur mit Nimzo funktioniert, ist es nötig, die gerade erwähnte Datei „thiarcs.exe“ in den Programmordner von Nimzo 3.5 zu kopieren, diese umzubenennen, z.B. in „tnimzo35.exe“ und den Vorgang wie beschrieben zu starten.

Diese Meldung erscheint daraufhin im DOS-Fenster („Interface Resident Program is now loaded“) wenn alles funktioniert. Zwingend mit dem gleichen Befehl das Programm wieder entladen, bevor auf eine andere Software gewechselt wird, da die Treiber nicht einheitlich programmiert sind. Geschieht mit dem selben Befehl und führt zur Meldung „Interface Resident Program is now unloaded“.

Anmerkung: nach hergestellter Verbindung am UCB den Schalter auf den PC-Modus setzen. Dann kommunizieren die Relikte aus alten Zeiten immerhin.

Nachteile der Emulation von Schachcomputern

Einer der größten Nachteile von softwarebasierten-Emulationen ist, dass sie eine extrem hohe Rechenlast generieren. Denn die Abbildung der Komplettstruktur eines Hardware-Systems ist sowohl was den Aufwand in der Programmierung anbelangt eine massive Herausforderung als auch für die CPU (zentrale Recheneinheit) von hoher Bedeutung. Deswegen, weil hier die Auslastung der Kapazitäten schnell erreicht wird und trotz Verlagerung von Prozessen an die GPU (grafische Recheneinheit) eine Emulation nicht zwingend flüssig läuft. Vor allem dann nicht, wenn als Grundvoraussetzung eine Ryzen7 oder Ryzen9 Prozessor in der Anwendung fehlt. Zudem bei diesen inzwischen modernen Computersystemen grundsätzlich eine leistungsstarke GPU als separate Einheit integriert ist, die die grafische Hauptlast zugunsten der CPU abfängt.

Eine zusätzliche Problematik kommt dann zum Tragen, wenn die Emulation die Frames nicht begrenzen kann und das PC-System die entsprechende Leistungsfähigkeit in positiver Hinsicht aufweist. Allerdings ist das bei den Emulationen alter Schachcomputer nicht der Fall, da die Frames hier eingestellt werden können. Es ist somit nicht nur so, dass bei zu langsamer Laufgeschwindigkeit das System einfrieren kann, sondern bei zu viel dargestellten Bildern gleichermaßen eine korrekte Umsetzung nicht möglich ist.

Wie in Schachcomputern aus der früheren Ära oder auch insbesondere in Spielekonsolen aus jener Zeit, war die Software in den meisten Fällen in einen elektronischen Baustein (ROM) integriert. Über Programmiergeräte in der Regel leicht auszulesen, funktionieren diese auch einwandfrei im Zusammenspiel mit der Emulations-Software. Teilweise ist sogar ein Abarbeiten mehrerer komprimierter Dateien möglich. Zu bedenken sind natürlich immer die Urheberrechte, wenn Kopien verteilt oder verwendet werden.

Vielleicht hier ein kurzer Rückblick ins Jahr 1985. Wir erinnern uns an die ersten IBM-Systeme und DOS-Anwendungen, wo die Entwicklungen weniger rasant abliefen. Damals war der Atari ST ein absolut ernstzunehmender Konkurrent auf dem Markt. Sein Betriebssystem, das Atari TOS, arbeitete zu jener Zeit bereits auf einer 68000-CPU von Motorola. Anwendungen, die auf 8-bit-Basis programmiert wurden, waren in diesen Jahren üblich.

Wenn auch die 16-bit-Hardware leistungsfähiger war, so stellte der Markt noch eher wenig Software für diese damals neuen CPU´s zur Verfügung. Um jedoch beide Segmente zu bedienen, ermöglichte Atari mit seiner Virtualisierung einer 8-bit-Z80-CPU die perfekte Schnittstelle zum Erhalt des Betriebs vieler Anwendungsarten aus dem bestehenden Marktsegment und eröffnete Wege zur Entwicklung neuer, zeitgemäßer Software, die an die Architektur der 16-bit-68000-CPU angepasst werden konnte.

Die Prinzipien, die heute angewendet werden, haben ihre Grundstrukturen nicht selten bereits vor einigen Jahrzehnten gelegt. Die Infrastruktur von jetzt basiert genau auf diesen Dingen.

Die Summe aller Bewertungen – Theorie und Praxis

Wie die Schachengine grundsätzlich bewertet.

Das sind Kriterien, die völlig individuell jeder Engine zu eigen sind. Dabei spielen Suchbaumtiefe, Programmieransatz, Bewertungsfunktionen, Horizonteffektbehandlung und jene Aspekte mit eine Rolle, die für den Programmierer vordergründig maßgeblich waren und sind.

Darum geht es heute jedoch weniger, sondern mehr um jenen Effekt, den eine tatsächliche Stellung auf dem Schachbrett auslöst. Ich denke da mehr an Partien im mittleren Vereinsbereich, wo die Fehlerlastigkeit viel öfters auftritt und mögliche Wendungen am Brett weitaus wahrscheinlicher werden als das in höheren Spitzenturnieren der Fall ist. Nichtsdestotrotz ist das selbst in diesen Sphären keine so seltene Angelegenheit.

Zum Schachcomputer, der auf der 2000 Elo +/- spielt sei kurz zu erwähnen, dass seine Bewertung der Position in der Regel zuverlässiger ist als die des menschlichen Spielers auf ähnlichem Niveau. Ist dem einfachen Umstand geschuldet, das jener im rein rechnerischen Sinne seine Kalkulationen im Suchbaum verfolgt. Ein direktes „Verrechnen“ ist ihm innerhalb seines Horizonts nicht möglich, wodurch sein Zugfavorit zwar suboptimale Aspekte im weitläufig strategischen Ansatz aufweisen mag, eine taktische Falle auf soundso viel x-Halbzüge jedoch nicht übersieht.

Als Beispiel: (+/- 3.74) bedeutet, das die weiße Stellung deutlichen Vorteil erspielt hat. Umgekehrt bedeutet (-/+ 3.74), das die weiße Stellung am Brett sich deutlich im Nachteil befindet. Es wird nach Centi-Bauerneinheiten im Grobraster gerechnet. Der ebengenannte Fall entspräche somit dem Wert von knapp vier Bauern oder einer Läufereinheit. Allerdings werden auch Stellungskriterien und weitere Aspekte differenziert mit einbezogen, so dass nicht ausschließlich ein materalistisches Bild den Ausschlag in der Bewertung erzielt. Der Wert der Kompensation, also einer Stellung auf dem Brett bei der die eigene oder die Gegenseite starke Spielinitiative aufweist, hat als Kriterium in der Bewertung häufig ein wesentliches Gewicht.

Kann das vorliegende Bewertungssystem theoretisch eine Illusion sein? Worauf ich hinaus will, in der Theorie weniger, weil hier bei starken Engines nur Nuancen unterscheiden und die Bewertung dadurch nie allgemeingültig unsinnig sein kann. Wenn ich eine Stellung, die mit (-/+ 7.12) gewertet wird, ich als Weißspieler zu meinem Nachteil, gegen die Engine Stockfish spiele, so ist das objektiv eine verlorene Partie und die von der Engine errechneten Bewertungsalgorithmen werden absolut recht behalten. Spiele ich dieselbe Partie gegen einen Menschen, selbst wenn er etwas stärker spielt, ist es nicht zwingend mit dem Verlust eines Spiels gleichzusetzen, wenn der Gegner in verworrener Stellung, mit nicht zu großem Materialunterschied, den Gewinnweg nicht findet beziehungsweise den definitiven Vorteil seiner Stellung nicht zu nutzen weiß, sei es aus Zeitnotgründen oder eben anderen, teils recht trivialen Gründen.

Es ist nur eine aufgestellte These, klar. Aber den erwähnten Effekt habe ich bereits selbst so erlebt. Eine verlorene Partie in der Praxis bleibt es nicht unbedingt als eine solche, wenn auch unbestreitbar in der Theorie. Die von der Computer-Engine nachträglich durchgeführte Analyse stellt ein ultimatives Werkzeug dar um Wendepunkte, Variantenalternativen und Fehler in Schachpartien zu entdecken. Wodurch in der Spielpraxis die rechnerische Ist-Situation mit dem tatsächlichen Verlauf natürlich weit auseinanderklaffen kann.

Die Summe aller rechnerischen Prozesse stellt den einen, nahezu unveränderlichen Wert in den Raum. Das der häufig theoretisch bleibt, beweist oft die Praxis, wo Partien völlig unerwartete Wendungen nehmen, weil das Potenzial einer Stellung in jener Momentaufnahme nicht genutzt wird. Womit gewonnene Stellungen es als solche zwar bleiben, aber in der praktischen Umsetzung schnell ins Remis verflachen können und im schlechtesten Fall in eine Niederlage münden. Die Engine-Analyse ist als Endprodukt durchaus eine objektive Abbildung, die als Zahl ausgedrückt, fast nur ein mathematisches Ergebnis zulässt. Allerdings in Turnieren menschlicher Spieler wenig entscheidend, weil die pure Rechenleistung hier eindeutig als Vorteil für die Maschine punktet.

DOS-PC-Schach – Wittington´s Complete Chess System

ist ein von Chris Wittington im Jahr 1992 geschriebenes Programm, welches weitere, intelligente Algorithmen angewendet hat.

Es verwendet nicht nur die Methode der Shannon-A-B-Strategie (die aus einer Kombination von reiner Rechenleistung+selektiver Auswahl an Knotenpunkten im Suchbaum besteht), sondern bringt darüber hinaus weitaus mehr an Stellungsverständnis mit ein, welche die Kriterien für die Suche betreffen.

Nur den „Königsangriff“ als isoliertes Beispiel heraus genommen, denn es gibt unzählige Faktoren, welche durch die Bewertung der Programme beeinflusst werden, so ist das lediglich ein Aspekt worin das CCS innovativer als andere Software seiner Zeit agiert hat. Gerade dieser damals fortschrittliche Ansatz, ließ die Software strategisch interessant, gefährlich und unberechenbar spielen.

Das musste selbst der „Mephisto Berlin 68000“ zur Kenntnis nehmen, der, wie uns bereits bekannt ist, in seiner Klasse eines der besten und selektivsten Programme jener Epoche der Schachprogrammierung implementiert bekam.

Das letztlich nicht so ungewöhnliche Resultat jener Computerpartie: Mephisto Berlin 68000 vs Complete Chess System (0-1)

Beim LCT II-Test erreichte das „CCS“ dato 1992 auf einem Pentium 200 PC exakt 2160 Elo. Rechnet man es um, entsprach dies weitestgehend 2000 SSDF Elo ( respektive ~1850 DWZ) verglichen mit den Schachcomputern, die einst vor 30 Jahren zur Verfügung standen.

Es spielte extrem unorthodox, fast an den Schachstil erinnernd, der nicht selten Menschen zu eigen ist. Für den Vereinsspieler ist diese Software selbst heute noch, jedenfalls zu Trainingszwecken, eine spielerische Auseinandersetzung wert.

Voraussetzung ist nicht zwingend eine alte PC-Umgebung, die auf DOS 6.22 läuft. Die DOSBOX 0.74 erfüllt die Bedingungen genauso. Es ist also ausreichend, die .exe Ausführungsdatei in einen lokalen Ordner auf der Festplatte ihres Windows-OS zu laden und eben jenen mit der DOSBOX zu verknüpfen. In dieser simulierten und startfähigen DOS-Umgebung kann das Programm dann unproblematisch angewendet werden.

Technische Möglichkeiten mit den damaligen Modulen

Das PC-MODUL, das sowohl in den Mephisto Brettern Modular, Exclusive und München verwendbar ist, lässt zwar keine automatische Figurenerkennung zu, kommt dem aber in der Praxis fast nahe. Software, wie die Genius 3-5 Programme lassen eine unkomplizierte Partieeingabe sowie Parteispeicherung zu. Das ermöglicht eine einfache Figurenaufstellung am elektronischen Brett. Das Weiterspielen eines bereits abgespeicherten Spiels wird dadurch gleichermaßen vereinfacht.

Das parallele PC-MODUL von Mephisto wird also per LPT-Kabel mit dem PC verbunden, der Netzschalter, z.B. am Modular-Board auf „ON“ gesetzt und die Genius-Software gestartet. Über das „OPTIONS“ Menü wird „Kasparov AutoBoard“ ausgewählt und die folgende Abfrage mit „LPT1“ bestätigt, falls auch pysikalisch diese Schnittstelle verwendet wird. Die in Folge gespielte Partie kann an jedem beliebigen Punkt gespeichert werden, was über „FILE“ und „Save Game + All Settings“ geschieht. Wird das Spiel in mehreren Abschnitten fortgesetzt und wiederholt gespeichert, folgt die Abfrage „FILE EXISTS. OVERWRITE?“ Was nur dann mit OK quittiert wird, wenn die aktuelle Position die vorherige schlicht überschreiben soll.

Früher ist es bei vielen Schachcomputern keine Seltenheit gewesen, jede Stellung per Tastaturmenü aufwendig einzugeben, wenn diese verlorenging oder zwecks Analyse dem Computer mitgeteilt werden musste. Bei den einen Modellen war das einfacher, bei anderen teils auch komplex und zeitintensiv. Ausnahmen bildeten nur jene Module und Bretter, die sowohl hard-/wie software-technisch eine automatische Figurenerkennung zuließen. Damals waren das die Mephisto Bavaria Bretter im Zusammenspiel mit den neuesten Modulgenerationen wie auch das Smartboard der Firma TASC und deren separate Recheneinheit.

Zurück zum GENIUS-Programm und PC-MODUL. Nach Abspeicherung der Partie oder des jeweiligen Spielabschnitts wurde die Verbindung des Moduls über „OPTIONS“ und einen Klick auf das Untermenü „Kasparov AutoBoard“ wieder softwareseits getrennt. Das Praktische daran ist, das Games gleichermaßen wie neu eingegebene und gespeicherte Stellungen zu Analysezwecken bei Aktivierung wieder unmittelbar auf das PC-MODUL und das damit verbundene Brett übertragen werden. Wie in Abschnitt 2 erwähnt, kann über „OPTIONS“ das Modul erneut eingehängt werden. Anschließend wird der gespeicherte Inhalt per „FILE“ und „Load Game“ aufgerufen und auf die LED-Ausgabe des Boards übermittelt.

Ich will damit nicht andeuten, dass dadurch die komfortable Figurenerkennung wie das bei modernen DGT´s der Fall ist, obsolet wird. Ganz im Gegenteil, das bleibt natürlich immer noch ein erheblicher Unterschied. Es sollte vielmehr dargestellt werden, dass das PC-MODUL in seiner Funktion als Relikt einer älteren Ära, durchaus mit interessanten Möglichkeiten aufwartet. Zudem soll es eine Art kleine Anleitung für diejenigen sein, denen dieser Teilaspekt eher unbekannt war.

Emulation ersetzt Hardware – teils

… oder doch nicht wirklich ganz? Allein deswegen, weil das Teil immerhin physisch fehlt. Das ist eine reine Ansichtsfrage, denn die EMU am Computer ist natürlich auf eine 2D-Ansicht beschränkt. Außer man verwendet eine externe Brettlösung, die nebenbei bemerkt durchaus machbar ist. Ersetzen ist also relativ. Hier sollen mehr die entwicklungstechnischen Möglichkeiten im Vordergrund stehen und diskutiert werden.

Der Einsatz von Software, die es uns heute ermöglicht, Geräte identisch abzubilden, schafft eine Palette neuer Anwendungsformen, die sich sogar mit zusätzlich zu verbindender Hardware ergänzen lässt.
Dank der MESS Emulationen ist es jetzt jederzeit möglich, gegen alte Schachcomputer zu spielen, weil die gesamte Hardwarestruktur abgebildet werden kann und unabhängig von der lokalen CPU arbeitet. Was nichts anderes heißt, dass die hardware-bezogenen Werte des emulierten Computers gespiegelt werden. Die Optik wird in der Regel dem Original ähnlich gestaltet. Selbst die Eingabefunktionen im herkömmlichen Sinne sind im Prinzip identisch, so das ein hohes Maß an Realitätsnähe gegeben ist.

Wer jetzt die Schachcomputerszene seit Ende der Siebziger Jahre kennt, wird um die technischen Möglichkeiten wissen.
Das fängt damit an, das ich gegen ein uraltes Tastaturgerät wie den Mephisto I (Elo 1252) auf Softwareebene Partien spielen kann. Da die Datenbank an emulierten Schachcomputern allerdings weit mehr als 100 Geräte umfasst, sind hier wenig Grenzen gesetzt, weil diese nicht nur ständig erweitert wird, sondern auch den Großteil vieler Klassiker einschließt und es nur wenig Modelle sind, die technisch derzeit nicht nachgebildet werden können.

So bleibt das Anwendungsgebiet absolut individuell. Magnetsensorcomputer wie der Mephisto Modular II (Elo 1674), Drucksensorgeräte wie der Mephisto Berlin 68000 (Elo 2015) können gleichermaßen softwaretechnisch eingesetzt werden, ebenso auch der legendäre TASC R30 (Elo 2256) des niederländischen Herstellers, welcher einer der ersten Schachcomputer mit automatischer Figurenerkennung war.

Was jedoch die Emulationen zu etwas Besonderem macht, ist die zusätzlich programmierte Winboard-Schnittstelle, die jeden einzelnen Computer als Engine laufen lassen kann. Wodurch vor allem zweierlei Dinge verwirklicht werden. Automatisierte Turniere, sprich die Durchführung von Matches zwischen Schachcomputern zum einen. Darüber hinaus aber auch direkte Games zwischen Mensch-Computer unter der bekannten Arena-Benutzeroberfläche. Und genau jene ermöglicht uns unter anderem den Einsatz eines externen elektronischen Schachbrettes.

  • DGT USB/Bluetooth Board
  • NOVAG Citrine Board
  • RS232 Chess-Board

Letzterer Punkt stellt eine massive Erweiterung dar. Denn zum ersten Mal in der Geschichte, ist es möglich geworden, gegen alte Technik, welche grundsätzlich inkompatibel zu den nachfolgenden Entwicklungen war, softwaretechnisch auf neue IT-Struktur aufzusetzen und in der Funktion sogar zu erweitern. Die Übertragung eines Spiels auf die obengenannten Bretter ist durch die Software-GUI ´s sowie die programmierten WB-Schnittstellen ein weiterer integraler Bestandteil geworden. Ganz abgesehen von der absolut aufwendigen Programmierarbeit, die zur Entwicklung der unzähligen Emulationen als Fundament nötig gewesen ist.

ELO und DWZ – Zahlenwerte und Aussagekraft

ELO versus DWZ:

Die aufgeführten Elowerte sind immer relativ. Es spielen einfach stets unzählige Faktoren mit rein, gleichermaßen wie bei der DWZ (Deutsche Wertungszahl). Die Wertungszahl wird nur über eine andere Formeleinheit berechnet, die andere Parameter verwendet. Wodurch nur Annäherungen erreicht werden und im spekulativen Bereich verbleiben.

Die SSDF-Elo wurde im Jahr 2000 für die Bewertung von Schachcomputern und Schachsoftware pauschal um 100 Elo abgesenkt. Vermutlich um nicht zu letzt der Eloinflation entgegen zu wirken. Die enorme Leistungsfähigkeit der Workstations haben die Engines an Spielstärke rasant wachsen lassen und in hohem Tempo eine Differenz erzeugt im Verhältnis zu den Schachcomputern aus den frühen Zeiten. Turniere, die so in Direktvergleichen gespielt wurden, führten dadurch zunehmend zu verzerrten Ergebnissen. Vor allem dann, als die Unterschiede nicht mehr nur lediglich marginal zu bewerten waren. Der Sprung zu Multi-Core-CPU´s auf denen moderne Software zum Einsatz kam, war auf herkömmlichen Schachcomputern nicht mehr machbar.

Inwieweit die Absenkung um 100 Elo den Gegebenheiten Rechnung trägt sei dahingestellt. Ich würde eher individuell abwägen, je nach Gerät und Programm. Also inwiefern die Listenangaben der SSDF von 1992 oder jener von 2000 zutreffen. Was natürlich zuletzt auch davon abhängt wie gut man mit dem Schachcomputer oder der jeweiligen Software vertraut ist. Die Angabewerte ohne jeglichen Praxisabgleich vorzunehmen macht wenig Sinn, weil nur viele ausgespielte Partien einen Überblick verschaffen können. Ich halte das für plausibler, weil bei Spielen zwischen Mensch und Maschine, die Fehler Letzterer in bestimmten Stellungen wiederholt vorkommen können.

Einfach formuliert: ich spiele eine Partie wieder und wieder, gewinne irgendwann in diesem oder jenem Stellungstyp und denke, somit gegen den Computer an Spielstärke zugelegt zu haben. Und hierin liegt der grundlegende Irrtum. Denn in Turnierpartien gegen menschliche Gegnerschaft ist dieses Vorgehen in einem solchen Sinne nicht möglich. Da braucht es viele zeitversetzte Anläufe um eine nahezu identische Position in irgendeinem Eröffnungssystem zu einem späteren Zeitpunkt wieder auf das Brett zu bekommen, wenn überhaupt jemals.

Das verringert nicht die Spielfähigkeiten des Programms, weil es aufgrund seiner Suchbaumstrategien so oder so eingegrenzt agiert. Feste Konzepte kann es nicht entwickeln, denn die Software ist aus der Eröffnungstheorie heraus begrenzt. Wir suchen dagegen nach alternativen Wegen auch an Stellen wo es der Horizont eines alten Programms nicht zuließ. Was daran lag, dass eine direkte Lernfähigkeit selten gegeben war. In Ausnahmefällen wurde das in limitierter Form einprogrammiert. Ich spreche mehr von früher, da waren die elektronischen Speicherchips noch gering dimensioniert.

Allerdings muss gleichzeitig erwähnt werden, dass das Schachprogramm einen wesentlichen Vorteil dadurch erreicht, weil es keinem physischen Verschleiß unterliegt und sein Spiel unbeeindruckt fortsetzt. Und exakt diese einfache Komponente ist die Stärke der Maschine. Während zudem nicht wirklich triviale Fehler passieren, weil bis zu einem gewissen Level der Computer solche fast gänzlich ausschließen kann, ist die Gefahr bei menschlichen Spielern dagegen weitaus größer, nach einer Serie starker Züge einen Blackout zu produzieren, der die Partie verliert.

Viel schwieriger wird es noch die DWZ eines Schachcomputers zu ermitteln, denn die weicht von der schwedischen ELO in aller Regel ab, mal mehr, mal weniger. Das hat damit zu tun, dass die alten Brettgeräte seit ihrem Erscheinen nur in kleinerer Anzahl Partien gegen menschliche Gegner gespielt haben, womit zu wenig ausgewertete Turniere vorliegen. Diese Vergleiche wurden über einen Zeitraum von 10 Jahren in Spanien verstärkt durchgeführt. Auch damals von der schwedischen SSDF und einigen starken Spielern in Communities. Nicht zu vergessen, die Zeit um 1990 herum, als es den damals stärksten Entwicklungen gelang, gegen Bundesligaspieler top abzuschneiden.

Trotzdem bleibt es natürlich schwierig, irgendwelche Konstanten zu finden, die eine konkrete Einordnung ermöglichen. Um das zu erreichen müssten konventionelle Schachcomputer in Vereinsligen über Jahre mitspielen. Wird oder wurde aber nicht gemacht, wodurch eine große Bandbreite an Ergebnissen nicht vorhanden ist.

Was die Schachcomputer von einst, also vor allem die Entwicklungen bis Mitte, Ende der Neunziger angeht, so halte ich die neuen SSDF -Werte nach einiger Überlegung daher für etwas zutreffender, sonst würde sich der Kreis im Verhältnis zu den Programmen, die danach folgten nicht wirklich schließen. Es war nicht nur die neu entwickelte Software, die Maßstäbe setzte, das keineswegs allein. Aber Mehrkernprozessoren, 64-bit und Gigabyte an Speichergrößen im RAM wie im Programmbereich schafften einfach eine beträchtliche Ressourcenpower. Eine andere Liga, nur von der Hardware aus betrachtet. Jahrzehnte zuvor ist die Begrenzung der Speicherkapazität in EPROM und RAM-Bausteinen schlicht das eigentliche Problem gewesen.

Zurück zum Gedanken der Vergleichbarkeit von ELO vs DWZ:

Über der Marke von 2100 Elo ist mehr und mehr Angleichung vorhanden, weil Spieler dieser Klasse deutlich mehr Turniere spielen, die beide der o.g. Maßeinheiten berücksichtigen.

Als Faustregel gilt: aber nur begrenzt, weil diese nur relativ anwendbar ist – ELO – 520 * 1,25 = DWZ (stellt schlicht eine Richtwertformel dar)

Beispiel: Schachsoftware Genius 3 (2311 Elo (486/ 50-66Mhz) aus dem Jahr 1996.

In diesem Fall würde die Berechnung lauten: 2311 – 520 * 1,25 = 2238 DWZ

Spekulativ? Ja sicher. In der Praxis hängt es halt von vielen Faktoren ab.

Kennt ein Spieler die Software und deren Spielweise, so reduziert sich deren Wert in gewissem Sinne individuell. Umgekehrt ist es natürlich auch denkbar. Ein starker menschlicher Spieler, der nie gegen Computer Matches bestreitet, wird sich definitiv schwerer tun und ggf. den sogenannten Umkehreffekt auslösen. Nicht zuletzt wird alles auch eine Frage der individuellen Motivation bleiben.

Ein weiteres Beispiel: Mephisto Atlanta (2084 Elo/ SH7034 Risc-CPU) Jahr 1997.

Die Berechnung lautet auch hier: 2084 – 520 * 1,25 = 1955 DWZ

In den AEGON Turnieren vor über 20 Jahren (Man-Machine, Niederlande) ist das Ding wirklich cool im Rennen gelegen. Aus damaliger Sicht sogar unterbewertet. Die Gegner waren bis zu über 2300 Elo stark und der Computer (dato noch mit 2185 Elo bewertet) holte sich einen Score von 50%. Zu jener Zeit ein erstaunliches Ergebnis. Inzwischen sieht das etwas anders aus. Computer werden mit leistungsstarken Engines zur Analyse von Partien eingesetzt. Zudem hat sich die Theorie in einem erheblichen Maß weiterentwickelt.

Sogenannte Anti-Strategien, die sich bereits vor 30 Jahren entwickelten, machten es den Mikroschachcomputern um einiges schwerer. Zumeist waren es Anti-Theorie-Züge, die während der Eröffnung den Computer aus seiner Bibliothek reißen sollten oder Varianten, die dem Gerät noch unbekannt waren. Gleichermaßen auch ermittelte Schwachstellen, die gezielt genutzt werden konnten um das Programm auszutricksen.

Mit den jetzt aktuellen Topengines ist dieses Vorgehen auf jenem Niveau nahezu unmöglich. Tablebases beherrschen Endspiele in Verbindung mit großen Datenbanken bis zu 7 Steinen perfekt. Diese profitieren von riesigen Powerbooks, welche die bekannte Eröffnungstheorie in stetiger Aktualisierung gespeichert haben, auch durch den Online-Zugriff. Die Zeiten haben sich eben geändert. Arbeitet die Engine zusätzlich mit KI-Implementierungen, lernt diese selbst und agiert zusehends fehlerloser.

Noch ein Beispiel zuletzt: Mephisto Berlin (2015 Elo /Motorola 68000) von 1992.

Wendet man die Formel an, ergibt sich: 2015 – 520 * 1,25 = 1869 DWZ

Der Gedanke ist nur die Wahrscheinlichkeitsrechnung, der in dieser Formel verankert ist. Zum Teil kombiniert mit Erfahrungswerten, die diese Annäherung ergeben.

Der Mephisto Berlin 68000 spielt sehr solide von der Eröffnung bis hin zum Endspiel. Das macht ihn vom Stil menschlicher. Das Programm ist wissensbasiert und selektiver. Seine Anfälligkeiten liegen in taktischen Situationen, seine Stärken im positionellen Spiel. Ganz im Gegensatz zum Mephisto Atlanta, der taktische Verwicklungen bevorzugt und super aktives Schach spielt.

Für Vereinsspieler ist der Atlanta vermutlich das größere Problem. Denn taktisch ist er kaum zu überrollen und auch im Endspiel nicht unbedingt zu unterschätzen. Konkretes Wissen zu Bauernstrukturen ist vorhanden. Vor allem sind es aber seine Rechenfähigkeiten einschließlich der integrierten Hashtables, die ihm weitgehend solide Abwicklungen ermöglichen.

Eine Eichung auf feststehende Elo oder gar DWZ-Werte ist nicht möglich. Für eine grobe Einschätzung sollte die Abhandlung jedoch ein gewisser Richtwert sein.

In der Realität, wenn in vereinzelten Partien, Mensch und Schachcomputer aufeinandertreffen, entsteht überwiegend eine mehr oder minder kleine Abweichung. Je nach Spielertyp und Software-Algorithmus liegt diese bei locker +/- 50 DWZ . Wahrscheinlich teils sogar mehr.

Die frühen Mikroprozessoren

Erste Prozessorgenerationen – eine allgemeine Übersicht

Beginnend mit der Entwicklung, die bis in die Siebziger Jahre zurückreicht. Damals wurde der Z80, der RCA-1802, dessen Nachfolger 1806 als auch der 6502-Prozessor eingesetzt. Darauf folgte der Motorola 68000, ein Prozessor mit 16-bit-Adressierung. Sein Nachfolger, der 68020, welcher bereits die 32-bit Technik drin hatte, kam 1984 auf den Markt.

Im Modulset „Dallas 68020“ von Mephisto wurde er erstmalig im Jahr 1986 hardware-basiert für Schachcomputer verwendet. Trotz seiner beachtlichen Leistungsfähigkeit war eine minimalistische, passive Kühlung ausreichend für den Betrieb des Prozessors. 1994 fand man ihn im „Berlin Professional“ mit 24 Mhz Taktung wieder.

Dieser Prozessor wurde sehr vielseitig verwendet. So kam er auch im „MacIntosh II“ von Apple zum Einsatz und, man staunt vielleicht, sogar in der Ausgleichssteuerungseinheit des Eurofighters ist er für wichtige Berechnungen zuständig.

Bereits drei Jahre später, also 1987, war die Weiterentwicklung, der Motorola 68030, inzwischen marktreif geworden. Dieser konnte bis 50 Mhz getaktet werden. Bevorzugt eingesetzt wurde er in Computern von Amiga und Apple. In jener Zeit der ausgehenden Achtziger bis Anfang der Neunziger Jahre.

Im Genius-Modulset der Mephisto-Serie ist er in der Schachcomputer-Szene berühmt geworden. Getaktet war die Recheneinheit damals 1993 mit 33 Mhz. Berücksichtigt man die zunehmend größer werdenden RAM-Chips, die häufig bei 512 KB bis 2 MB rangierten, so verwundert es nicht, das in Kombination mit leistungsfähiger Software und dem gleichzeitigem Einsatz der Hashtables für die Endspielberechnungen, Spielstärken von etwa 2200 Elo erreicht wurden. Dieses Wunder hat der Großrechner „BELLE“ zwar schon ganze 15 Jahre vorher realisiert. Ist aber 1. eine andere Liga und 2. sind uns Projekte, die einen wissenschaftlichen Hintergrund haben, zeitlich immer etwas voraus.

Für uns ist wahrscheinlich jetzt auch interessant welche Unterschiede existierten als die PC-Programme erschienen. Denn wie wir wissen, handelte es sich oftmals um Versionen jener Software, die bereits in den Speicher-ROM´s der Schachcomputer ihren Dienst verrichteten. Oder, was teils auch der Fall war, um vorhandene Programme, die zu diesem Zweck umgeschrieben und an die neue CPU-Architektur angepasst wurden.

Jetzt wollen wir wissen, welche wirklichen Differenzen bezüglich der Leistungsfähigkeit zwischen PC und dediziertem Schachcomputer auf hardware-technischer Seite vorhanden waren.

Die MIPS-Angabe misst die Leistung, zu der eine CPU fähig ist. Das bedeutet in der Umrechnung:

1 MIPS = (entspricht) 1.000.000 Befehle pro Sekunde

Bevor ich zum Direktvergleich komme, möchte ich noch die CPU von Hitachi erwähnen. Und zwar die SH 7034, die im Mephisto Milano Pro und Atlanta verbaut ist.

Hierbei handelt es sich um einen klassischen 32-bit-Prozessor mit RISC-Struktur, der auch industriell eingesetzt wurde.

Jetzt zur eigentlichen Auflistung alter Microprozessoren in ihrer Leistungsfähigkeit im Vergleich mit den frühen Intel-CPU´s, die damals in den IBM-PC´s zum Einsatz kamen. Natürlich wären auch die AMD-Prozessorgenerationen interessant. Allerdings liegen mir die Werte gerade nicht vor und kann Thema für eine nächste Aufstellung werden.

  1. RCA-1802 (Einführung 1974) CMOS-Risc-CPU = 0,4 MIPS bei 6,1 Mhz Einsatz: z.B. Satelliten, Bordcomputer der Raumsonde Galileo und Magellan – Mephisto I, Mephisto II, Mephisto III
  2. Zilog Z80A (1979) CPU = 0,4 MIPS bei 4 Mhz Einsatz: z.B. Homecomputer Tandy TRS-80, Pac-Man – Fidelity CC Sensory 8, Fidelity CC Sensory Voice
  3. MOS 6502 (1975 eingeführt) CPU (1-14 Mhz) = 0,5-7 MIPS Einsatz: z.B. Commodore VC 20, Apple I, II, Steuerungssysteme – Chafitz Sargon 2.5 ARB, Fidelity CC Champion, Fidelity CC Sensory 9
  4. Motorola 68000 (seit 1979) =1,5 MIPS bei 12 Mhz (~Intel 80286-8Mhz) Einsatz: z.B. Commodore Amiga, Unix-Systeme, Mephisto Berlin 68000 – Airbus A320 (ELAC), Texas Instruments TI-89, TI-92
  5. Motorola 68020 (seit 1984) = 6 MIPS bei 24 Mhz (~Intel 80386DX16) Einsatz: Eurofighter, Mephisto Berlin Professional 68020
  6. Motorola 68030 (seit 1987) = 10 MIPS bei 33 Mhz (~Intel 80386DX33) Einsatz: z.B. Homecomputer Apple und Amiga, Mephisto Genius 68030
  7. Motorola 68060 (seit 1994) = 88 MIPS bei 66 Mhz (~Intel Pentium 90) Einsatz: z.B. Extended Cards for Amiga, Embedded Systems BMW – Fidelity Elite Avant Garde V11
  8. Hitachi SH7034 (seit 1992) RISC CPU = 20 MIPS bei 20 Mhz (~Intel 80486SX25) Einsatz: z.B. Analogmodem ELSA Microlink 56k, ISDN Adapter TanGo 1000 – Mephisto Milano Pro, Mephisto Atlanta, Modulset Magellan
  9. ARMv2 (seit 1986) RISC-CPU = 7 MIPS bei 12 Mhz (~Intel 80386DX16) Einsatz: z.B. Homecomputer Acorn Archimedes, Mephisto Modulset RISC 2 + 1MB, Saitek RISC 2500, Tasc Chessmachine 14 Mhz
  10. ARMv6 (seit 1991) RISC-CPU = 28 MIPS bei 33 Mhz (~Intel 80486SX33) Einsatz: z.B. Acorn RISC-PC, Mephisto Montreux, Tasc Chessmachine 32 Mhz

So betrachtet haben wir einige relative Annäherungswerte erreicht. Natürlich variieren die geringfügig, aber es sind gute Richtwerte, die den ein oder anderen Vergleich zulassen.

Das „Genius 1“ Programm, welches vermutlich im Mephisto Berlin 68000 als Assembler-Programm eingesetzt wurde, kann in der DOSBOX gestartet werden. Entscheidend sind dann die Einstellungen in der Config.-Datei. Unter „cpu“ können wir auswählen: „auto“ ist die schnellste Umsetzung in der Emulation. Ansonsten „pentium_slow“ (~ Pentium 90), „486_slow“ (~ 80486SX33), „386“ (~ 80386DX33) oder „386_slow“ (~ 80386DX12). Nach der Auswahl des Parameters kann die Geschwindigkeit der DOS-Emulation mit „cycleup“ angepasst werden. Mit „Strg-F11/Strg-F12“ können die Cycles in 100er Schritten nach oben oder unten korrigiert werden. Dadurch eine identische Spielweise/Spielstärke zu erreichen ist zwar schwierig, aber dieser Ansatz kommt im Gedanken zumindest nahe hin.

Übrigens, die RCA-1802 CPU eignete sich im Speziellen deshalb auch für die Raumfahrt, weil sie als einige der wenigen extrem resistent gegen hohe Strahlung war.

Eine Partie gegen Genius 5 – etwas näher betrachtet

Diese Partie entstand eigentlich nur aus einer Laune heraus. Ziel war es, das PC-Modul mit dem Mephisto Modular im Zusammenspiel zu testen. Nachdem ich meinen alten Pentium-PC im DOS-Modus gestartet hatte, führte ich den Programmaufruf von Genius 5 (Richard Lang) aus und stellte im Menü die Verbindung zum Schachcomputer (=Modularbrett) her.

In der Folge spielte ich die Eröffnung eher in belangloser Weise, denn im Vordergrund stand die technische Funktion. Ich wollte sicherstellen, dass diese korrekt vorhanden war.

Erst im Übergang zum Mittelspiel fand ich die Stellung interessant und wollte sehen, was sich daraus entwickeln könnte. Im Prinzip war es der 18. Zug mit Läufer d3, wo ich entdeckte, dass da vielleicht auch mehr drin sein könnte als nur so dahin zu spielen. Also beschloss ich, den schwarzen Turm auf e4, danach auf e6 zu bedrohen um dasselbe über d7 fortzuführen und seinen zweiten Turm auf d8 ins Visier zu nehmen.

Aber jetzt zuerst hier die Notation der Partie gegen das Programm.

Weiß: das war ich selbst

Schwarz: Programm Genius 5 (Elo: 2333)

PC- Pentium III 667 Mhz ( DOS 7.0 Modus)

Interface: PC- Modul over LPT1

+ Mephisto Modular Brett

Datum: 05.11.2020

Analyse erstellt durch: Stockfish 14 und Naum 4.6

Eröffnung: D45: Damengambit (Anti-Meraner Variante)

1.d4 c6 2.c4 d5 3.Sc3 Sf6 4.e3 e6 5.Sf3 Sbd7 6.cxd5 exd5 letzter Buchzug

7.Le2 [ 7.Ld3!?= ist eine Alternative ] 7.Ld6

8.Ld2 [ 8.Dc2 0-0 ] 8 0-0 9.Dc2 Te8

10.Sh4 [ 10.Ld3 De7 ] Naum 4.6 erwog g6 um Sf5 von Weiß zu verhindern]

10…Sf8 [ 10…Lc7!?-+ ]

11.Sf5 Lxf5

12.Dxf5 Weiß hat das Läuferpaar Sg6 [ 12…Se6 13.0-0 ] Naum 4.6 mit der Idee b5 um den Springer von f8 über d7, b6 nach c4 zu bringen.

Seitens Stockfish 14 stünde auch Tc8 im Raum, danach mit Se6 als Idee um auf den wBd4 Druck auszuüben.

13.Dh3 [ 13.0-0 Sf8= ] 13…Se4 [ 13…Sf8 14.0-0 ]

14.Sxe4 Txe4 15. g3 es geht um f4 Den machte ich mehr intuitiv. Stockfish ist absolut gleicher Meinung – ach wie liebe ich das Db6 Schwarz droht Materialgewinn: Db6xb2

16.Lc3 Lb4 [ 16…Sf8 17.0-0 ] 17.0-0 Tae8 [ 17…Sf8 18.a3 Ld6 19.Ld3 ] 18.Ld3 [ 18.a3 Lxc3 19.bxc3 T4e7± weil es den direkten Angriff verhindert hätte ] 18…T4e6

19.Lf5 ein naheliegender Zug, den Stockfish aber nur als ausgeglichen bewertet. Im Nachgang käme der schwarze Turm auf f6 was die Partie in eine andere Richtung gebracht hätte. Die Stellung wäre dennoch = in der Bewertung [ 19.a3!? Ld6 20.b4± ]

19…T6e7 20.Ld7 Weiß droht Materialgewinn: Ld7xe8 Td8 Schwarz droht Materialgewinn: Td8xd7. Auch Ta8 wurde in Erwägung gezogen. Alternativ erwägt Naum 4.6 auch Turm b8, allerdings ohne in der Bewertung (-0.01) den Remishorizont zu überschreiten.

Ansonsten bleibt Td8 der richtige Zug (0.00). Mangels sinnvoller Fortsetzungen, die prinzipiell gewinnführend wären.

21.Lf5 [ 21.Lg4 Sf8= um die Stellungswiederholung zu umgehen ] 21…Tde8 [ 21…Sf8 oder a6 wäre Stockfish bestrebt das Spiel am Laufen zu halten.

22.Ld3= als Alternative ] 22.Ld7 Weiß droht Materialgewinn: Ld7xe8 Td8 Schwarz droht Materialgewinn: Td8xd7

23.Lf5 Tde8 = [mit Sf8, gleichermaßen mit 0.00 bewertet, hätte SF14 ggf. die Partie fortgesetzt]

3-fache Stellungswiederholung (Remis)

Ergebnis: ½-½

Genius 5 entschloss sich in dieser Situation zu einer 3-fachen Wiederholung der Stellung. Programme agieren im Rahmen ihrer Routinen. Die Algorithmen forcieren seit Genius 4 in eher ausgewogenen Stellungsbildern das Remis. Das Problem ist, dass das Programm nicht weiß, ob der Gegner eine Maschine oder ein Mensch ist. Desweiteren nicht ob der Kontrahent stark spielt oder nicht, beziehungsweise wo dessen Schwächen oder Stärken liegen. Für die Software sind keine Indikatoren vorhanden, die eine explizite Einschätzung ermöglichen, wie ich in diesem oder jenem Teil der Partie spielen würde.

Wie beeinflusst das die Herangehensweise im Verlauf einer Partie?

Vereinfacht ausgedrückt, ich hätte eine der oben aufgeführten Varianten spielen und die Stellung verkomplizieren können. Manche Spieler machen das, weil sie so beim Gegner Fehler provozieren um dann im Endspiel durch bessere Strukturen zu gewinnen. Sinnvoll ist diese Strategie nur dann, wenn ein Sieg durch Erzwingen von Ungenauigkeiten real greifbar ist, weil ein Überziehen der Stellung auch den Verlust bedeuten kann.

Ich wollte das unter Berücksichtigung der Spielstärke von Genius 5 nicht tun. Die feine Abwicklung ins Remis ist mir sehr entgegengekommen. Ein starker Turnierspieler, der in einem Mannschaftskampf spielt, würde an dieser Position weiterspielen, vorausgesetzt, das ihm die Daten ( Elo-/ DWZ ) des Spielgegners bekannt sind.

Das ist dann vom Prinzip wieder gleich. Das vorliegende Datenmaterial ist der Punkt, der soweit entscheidet. Das ist die Grundlage jedweder Vorbereitung. Im allgemeinen basiert jedes größere Turniergeschehen auf diesen Datenbanken. Das beinhaltet die publizierten Partien, die Eröffnungssysteme der einzelnen Spieler, die Ligazuordnung sowie deren internationale Elozahl respektive nationale DWZ-Einordnung.

Das sind die zugrundeliegenden Faktoren, auf denen die Schwachstellen des Gegners abgeklopft werden. Die Spieldynamik wird natürlich begrenzt, je mehr statisches Wissen vorliegt. Irgendwann stößt alles an seine Grenzen. Heute ist Schach wissensgestützt auf Computeranalysen und vielfältigste Datenbankabfragen gegründet. Objektiv beurteilt ist das Spiel perfekter geworden. Ob es dadurch an Attraktivität gewinnt oder verliert, das sei der Philosophie jedes einzelnen überlassen.

Jetzt, wo das Weltmeisterschaftsmatch 2021 in Dubai (24. Nov. -16. Dez.) ansteht, werden wir wieder erleben dürfen wie in Nuancen und akribischer Vorbereitungsleistung um den Titel gekämpft wird. Die Protagonisten sind der amtierende Weltmeister Magnus Carlsen aus Norwegen sowie sein Herausforderer Ian Nepomniachtchi aus Russland.

Es würde mich nicht wundern, wenn das Sekundantenteam eigens für die jeweiligen Rechenprozesse einen AMD Ryzen Threadripper mit 64 Kernen verwenden würde. Nebenan käme noch eine NVIDIA GeForce RTX 3090 24GB GPU-Grafikkarte ins Spiel. Kombiniert mit SSD und 256 GB RAM wäre das für unsereins ein technisches Feuerwerk. Für den super-professionellen Bereich gibt es da zweifellos noch mehr, abgesehen von Netzwerken, die viele dieser Rechner enthalten. Ich spreche da mehr vom Großrechnerbereich, einem ganzen Rechenzentrum, insofern ein Team begrenzt darauf Zugriff hätte.

Wenn dann Spitzensoftware wie Stockfish14 NNUE und einige andere Top-Level-Programme eingesetzt werden, die jederzeit 128 Prozessorkerne ansprechen können, aller Endspieldatenbanken inklusive, so kann man sich vorstellen, welche Möglichkeiten existieren um effektiv einen Matchkampf vorzubereiten.

Übersehen werden darf dabei nicht, dass KI-Programme im Schach durch Millionen von Partien und Positionen gelernt haben. Aus diesen Erkenntnissen und den damit im Zusammenhang stehenden physischen IT-Strukturen ist es möglich geworden Verzweigungssuchbäume extrem weit durchzurechnen. Einerseits um Löcher in bisherigen theoretischen Ansätzen zu schließen als auch Neuerungen zu erforschen, die bisher unentdeckt geblieben sind. Jedenfalls ist das Potential unermeßlich groß, etwas, das der Entwicklung des Schachspiels massiv Vorschub leistet.

Springen wir zurück zur Software von Richard Lang, dem GENIUS 5, welches Mitte der Neunziger Jahre eines der besten Schachprogramme auf dem Markt war. In jenen Zeiten konkurrierte es mit REBEL, mit MCHESS, mit HIARCS, mit FRITZ, mit WCHESS und einigen anderen Kreationen mehr. Die genauesten Werte finden sich im Direktvergleich mit zahlreichen Games gegen die Elite der damaligen Zeit, die ich erwähnt habe.

Spielt das Lang-Programm Genius 5 einen Matchkampf gegen mich oder das Mephisto MM II Modul (programmiert von Ulf Rathsman), so ist dieser definitiv nicht aussagekräftig. Zu weit klafft die wirkliche Distanz in beiden Fällen auseinander. Ganz ähnlich wäre der Effekt, gäbe es einen Matchvergleich zwischen Genius und Stockfish. Gleichermaßen wäre hier der Klassenunterschied beträchtlich zu hoch als das dieser einen Wert bzw. einen Bezug zur Spielstärke beider Programme hätte. Es beträfe nur das andere Extrem.

Früher war das Auftreten des zu vorschnellen Remis-Effekts häufiger. Witzigerweise ist mir das selber bereits passiert als ich die Caro-Kann-Eröffnung spielte, die im Aufbau so als ziemlich solide eingestuft ist. Sowohl die Software KALLISTO 1.82 (2109 Elo) wie auch der MEPHISTO ATLANTA (2087 Elo) und beide im Spielverhalten eher die Taktiker, schienen es für notwendig zu halten nach ca. 12 Zügen (nach der Stellungswiederholung waren es 14 oder 15) ins Remis einzulenken. Das war fast etwas irritierend und entsprach grundsätzlich nicht dem Angriffsstil, der diese beiden Programme auszeichnet.

Wahrscheinlicher ist es, dass diese vorzeitige Blockade und Abdriften ins Unentschieden folgenden Grund hat. Durch die Initiative, die in etwa im 12. Zug von mir aus ging, wurde den Programmen der Übergang ins entstehende Mittelspiel zu gefährlich und zwar schlicht aus ihrer subjektiven Beurteilung heraus. Denn selbst eine negative Bewertung, die nur mit sehr geringfügigen (z.B. im Bereich von -0.40) Komplikationen verbunden ist und irgendwo in den Verästelungen des Suchbaums als solche wahrgenommen wird, kann jenen Effekt auslösen. Keine Ahnung, ob ich dieses Phänomen „Remis-Schleife“ nennen soll oder nicht. Jedenfalls sind es Eigenheiten in den Algorithmen, die eine Partie zu früh verflachen lassen und einen scharfen Verlauf häufiger verhindern können als gedacht.