DOS-PC-Schach – Software Sargon V

Sargon V

Anno 1980 war es der Sargon ARB 2.5 von „Chafitz/Applied Concepts“. Jenes erste Auto-Response-Board, das mit Magnet-Sensor-Technik in Turniergröße auf den Markt kam. Allerdings extrem teuer. Insoweit ich mich erinnere lag dieser damals umgerechnet bei ca. 2.998 DM. Dürfte eher die Preislage gewesen sein, die nur wenige wirklich bereit waren zu investieren.

Programmiert wurde der Sargon 2.5 jedoch bereits von Dan & Kate Spracklen. Bekannt wurde er auch durch das MGS-System von Chafitz, das als preisgünstigere Variante jene Software integriert hatte. Die war sogar schon ab Ende 1979 auf dem Markt.

Mit einem 6502-Prozessor (2 Mhz) versehen und betrachtet das es die Anfangszeit in der Entwicklung kommerzieller Schachcomputer war, galt er zudem als spielstarkes Gerät. Seine Bibliothek konnte sich mit 800 Halbzügen Theorie in jener Ära zwar sehen lassen, aber 1-2 Jahre danach hatte manche Entwicklung bereits ihre Halbwertszeit erreicht.

Die Bedenkzeit des Gegners (Pondern) verwendete Sargon 2.5 bereits dafür an seiner nächsten Zugantwort zu arbeiten. Heute alles unspektakulär, aber es waren die frühen Jahre. Selbst bis heute ist diese Programmfunktion nicht immer zu finden.

Spielstärke: jetzt gelistet mit 1371 Elo im Vergleich mit anderen Computern. Lange Zeit wurde er mit 1500 Elo gewertet und ich denke, im Spiel gegen Menschen, war es ein durchaus realistischer Wert. Während hingegen aus dem beiliegenden Prospekt jene plakativ beworbenen Elo 1800 nicht machbar waren. Soweit war es einst noch nicht.

Diese Zahlen bewegten sich im Großrechnerbereich, wo sogar Werte über der magischen 2000er Grenze einige Jahre zuvor erreicht wurden.

Bei Verwendung langer Bedenkzeit-Stufen, wo Sargon 2.5, 1-4 Stunden am Zug rechnete, dürften aber 1600 Elo sehr wohl greifbar gewesen sein.

Das Programmmodul war auswechselbar. Und so kamen später noch weitere Versionen auf den Markt, auch technisch getunte Module, die aufgrund ihrer höheren Taktfrequenz eine entsprechend stärkere Spielleistung ermöglichten. Die Version 4.0 kam exakt vier später und erreichte tatsächliche 1700 Elopunkte.

Was für das Programm sprach ist die Umsetzung auf alter, fast baugleicher Hardware. Lediglich 16 KB ROM wurden verwendet. Denn die Eröffnungsbibliothek umfasste jetzt über 4.500 Positionen. Der Sargon 4.0 ARB spielt taktisch stark und extrem offensiv.

Zeigt in positionellen Aspekten aber auch Schwächen, die nicht zwingend mit 16-20 Mhz aufgerüsteten Platinen wirklich ausgemerzt werden können.

Was die Programme der Spracklen´s allerdings erst so interessant machte, war deren unberechenbare Taktik. Als „Dschungelschach“ wurde es bezeichnet, weil es einen eher wilden Spielstil repräsentierte, der in jedem Fall gewöhnungsbedürftig war.

Die modifizierte Version V, die es ausschließlich nur noch als Software für DOS gab, kam mit einer etwas anderen Grafik-Oberfläche auf den Markt. Die Spielstärke konnte nicht mit den neuesten Entwicklungen im direkten Sinne konkurrieren. Was aber Sargon V nicht seinen Charme genommen hat. Partien gegen Schachcomputer der Neunziger zeigen, dass diese Softwareentwicklung aus dem Jahr 1991 durchaus Biss hatte und bis zu einem gewissen Level mithalten konnte.

Der „Berlin 68000„, der wie wir wissen, im Gegensatz zu Sargon V sehr positionell sein Spiel forciert, tat sich gegen die Version 5 nicht unbedingt leicht und wickelte deshalb in einem umkämpften Mittelspiel seinen Turm im Tausch gegen Sargon´s gefährlichen Läufer ab.

Ergebnis:

Mephisto Berlin 68000 (2015 Elo) – MS-DOS- Programm Sargon V (0,5 : 0,5)

Remisstellung nach 3-facher Stellungswiederholung.

In einer weiteren Partie gegen den Mephisto Atlanta wurde es für unser DOS-Programm deutlich schwieriger. Im Endspiel stand der Atlanta mit zwei Mehrbauern dann definitiv auf Gewinn und nahm folgerichtig auch den vollen Punkt mit. Seine bessere Verwertung der Chancen ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass er in taktischen Scharmützeln besser aufgestellt ist als das Programm von Richard Lang.

Ergebnis:

Mephisto Atlanta (2090 Elo) – MS-DOS-Programm Sargon V (1 : 0)

Abschließend zu Sargon V:

gemessen auf einem IBM 486DX 33Mhz erreicht dieses Programm eine Spielstärke von um die 2000 Elo (einer niederländischen Liste zufolge).

Bei mir selbst lief es im Test auf einem Pentium MMX 200, wo es gewiss 2050 Elo erreicht, berücksichtigt man die gespielten Partien gegen starke Schachcomputer. Ob es auf einem Pentium III 667Mhz von mir die 2100 Elomarke durchbricht, ist völlig offen.

Dafür fehlen mir Testpartien, wodurch eine solche Annahme rein hypothetisch wäre und nur durch eine Anzahl an Games verifiziert werden könnte.

Wird Sargon V in der DOSBOX ausgeführt, so kann die Hardware entsprechend auf einen IBM 386SX 25Mhz, DX 40Mhz, 486SX 33Mhz in den Konfigurations-Einstellungen skaliert werden. Ebenso im gleichen Zuge auf einen IBM 486 DX2 66 oder einen Pentium 90.

Die Spielstärke lässt sich so stufenweise nach unten wie oben regulieren. Schwankungen von +/- 50 oder gar über 100 Elopunkten sind da jederzeit drin. Erreicht aber ihre oberen Grenzwerte durch die Programmroutinen, die alleine durch die deutliche Erhöhung der Taktfrequenz, meinetwegen auch infolge der verbesserten Architektur höherwertiger Intelprozessoren, nicht mehr unbedingt verbesserungsfähig waren und sind.

Hashtables – oder strategisches Endspielwissen?

Auch bekannt als Transpositionstabellen für den Fachbegriff im Computerschach. Man wird es kaum glauben, aber die Historie dieser Programmiertechnik reicht bis in die Siebziger Jahre zurück. Zwischen 1972 und 1979 wurde mit dem Großrechner Belle, welcher auf spezieller Hardware seine Berechnungen durchführte, ein besonderes Projekt ins Leben gerufen. Und dem will ich hier Beachtung schenken.

In der offenen amerikanischen Schachmeisterschaft 1983 erzielte Belle eine beachtliche Turnierleistung von 2363 Elo. Für die damalige Zeit war das ein Meilenstein. Auch nicht unbedingt von der Hand zu weisen, das es das Einläuten einer neuen Ära war. Denn von da an wurden die ersten Homecomputer populär. Dedizierte Schachcomputer eroberten den Markt parallel zu den ersten Softwareprodukten für Apple, Atari und IBM-Computer.

Die Hashtables, häufig auch Endspieltabellen benannt, fanden erst später, in der zweiten Hälfte der Achtziger Einzug in die Computer von Mephisto und Fidelity. Soweit ich mich entsinne, folgte Novag mit der Implementierung erst etwas später nach.

Natürlich können die Tables, abgekürzt, bereits im Mittelspiel des Schachs zum Einsatz kommen, aber da sind noch viele Figuren auf dem Brett und die Zugmöglichkeiten sind noch eingegrenzter. Die Zahl infrage kommender Varianten, die tatsächlich sinnvoll das Spiel weiterentwickeln, sind hier noch überschaubarer und der ein oder andere Halbzug tiefergerechnet, bringt hier selten einen brachialen Vorteil. Selbst dann, wenn die Tables einzelne Suchbäume nochmal etwas tiefer abgreifen. Denn in diesem Abschnitt führen meist mehrere Spielzüge zu einem potentiell gutem Ergebnis.

Im Endspiel sieht das anders aus. Der aktiven Figuren sind weit weniger geworden, dafür hat sich ihr Radius allerdings erweitert. Erheblich spürbar macht sich das in dem Sinne, das jede Figur an Bedeutung gewinnt und die Gewichtung variiert. Jeder Fehlgriff lässt in diesem Abschnitt den Spieler schneller verlieren. Einzige Gewinnzüge sind dann keine Seltenheit mehr und machen das Spiel nicht nur komplizierter, sondern erschweren einem Programm bei der Suche nach dem richtigen Zug, massiv den Gewinnweg. Konkretes Endspielwissen hilft da natürlich weiter. Jedoch haben diesen Ansatz, nicht zuletzt wegen damals knapper Hardware-Ressourcen, nur wenige Programmierer gut hinbekommen.

Ein Paradoxon übrigens. Je leerer das Brett, desto komplexer die Zugauswahl.

Ja, richtig gelesen. Nicht umsonst füllen Software-Datenbanken mehrere Terabyte an Speicherplatz, nur um lediglich den Ausgang zu errechnen, den ein Spiel nimmt, wenn ausschließlich gerade mal noch 7 Steine (Figuren) das Schachbrett bevölkern.

Sind es mehr Figuren, die auf dem Brett spielen, sind die Kapazitäten für die Berechnung noch nicht ausreichend vorhanden. Die Lösungswege werden dann rechnerisch entdeckt oder es entsteht kein optimales Spiel, rein theoretisch formuliert. Sobald ein Programm jedoch auf die Tablebases (Datenbanken) Zugriff hat, spielt es somit technisch perfektes Schach.

Ist das aber nicht der Fall, so kommen die Hashtables wirkungsvoll ins Spiel.

Die Partie aus dem Jahre 1901 (Chicago Tribune) kann uns das verdeutlichen. Gerade 120 Jahre alt, aber lehrreich.

Gespielt von E. Lasker gegen G. Reichhelm

Folgende Stellung in Kurznotation:

Weiß: Ka1, ba4, bd4, bd5, bf4

Schwarz: Ka7, ba5, bd6, bf5

Weiß am Zug gewinnt.

Hier ist eine Festung beiderseits entstanden. Zugmöglichkeit besteht nur für die beiden Könige auf dem Brett. Die Bauernstruktur ist undurchlässig.

Belle hatte einen Megabyte Speicher dafür reserviert und fand den Schlüsselzug Kb1! innerhalb einer Sekunde.

Die Hashtables erinnern sich an wiederkehrende Stellungen, die abgespeichert werden. Der Suchbaum produziert mit den Königszügen unzählige wiederkehrende Positionen. Ohne Endspielalgorithmen müssten hier teilweise 25 Halbzüge Brute Force gerechnet werden. Als Rechenaufwand zu immens für ein herkömmliches Programm der damaligen Zeit. Das gilt auch für die Ära der Schachcomputer sogar zwei Jahrzehnte danach.

Diese Technik des Programmierens spart Rechenzeit ein. Falls die Baumsuche zweimal auf die gleiche Stellung stößt, greift es auf die gespeicherte Bewertung zurück. Ähnlich dem Prinzip abgelegter Markierungspunkte in einem Labyrinth.

Im vorgelegten Fall haben wir 9 Steine auf dem Schachbrett. Für die Tablebases existiert noch kein Lösungsweg im absoluten Sinn. Pures Wissen dürfte wohl für diesen Fall kaum zu implementieren sein. Höchstens menschliche Intuition führt hier ans Ziel. KI-Software sehe ich als den einzigen Ansatz, davon unabhängig, dieses vorliegende Schach-Problem ohne Zugriff auf Hashtables effektiv zu lösen.

Das Schachprogramm ist also nicht intelligent genug um zum Ergebnis zu kommen. Also, wie gehen die Endspieltabellen hier weiter vor? Sie untersuchen auch Kb2 oder Ka2 und sehen , das der Gewinnweg ausbleibt, füllen allerdings die Tabellen mit Bewertungen. Auch werden gegnerische Fehlzüge geprüft und die Schlüsselstellung untersucht, die den Gewinn von Weiß ermöglicht. Wenn Kb1 durchgerechnet wird, geht es daher nur bis zu jener Schlüsselposition. Der Bauerngewinn muss nicht zwingend errechnet werden.

In den quer-Vernetzungen der Suchbäume entstehen da unglaubliche Dynamiken. Denn von der gespeicherten Markierung kann die vertiefte virtuelle Suche, erzeugt durch die Hashtables, viel tiefer liegend gehen.

Jener Zweig im Suchbaum, in irgendeiner Verästelung kann dann selbst gepunktet und weiter verfolgt werden. Die Potenzierungen addieren sich. Im allgemeinen hängt die Qualität des Zuges von der Bewertung ab, die als Priorität eingestuft wurde. Insofern es keine absolute Lösung gibt, entscheiden diese Kriterien über die Spielstärke des Programms.

In unserem Fall ist das Resultat jedoch eindeutig zu erkennen. So geht es einfach darum, inwieweit uns die Endspieltabellen helfen können, grundsätzlich den Weg zum Gewinn einer Partie zu finden. Ist es aufgrund der Prozessorleistung maximal gegeben, eine Suchtiefe von 9 oder 10 Halbzügen zu erreichen, kann die Software durch den Einsatz der gerade besprochenen Hashtables, 27 oder gar 30 Halbzüge in seinen Spitzen generieren.

Das Chess 232 Board

Ich stelle hier ein E-Schachbrett vor, welches inzwischen nicht nur selten geworden ist, sondern in Zeiten von Windows 95 respektive DOS schon multifunktional war.

Dessen Einsatzmöglichkeiten aber bis heute vermutlich unterschätzt werden. Mir selbst ist dieses Brett im Detail gut bekannt. Daher lohnt eine kurze Vorstellung.

Elektronisches Schachbrett: CHESS 232

Baujahr: 1995

Verbindung: seriell per COM1, 2 an die externe Elektronik Konfiguration: Baudrate 9600, Stopbit 1, no parity

Betriebssysteme: DOS, Windows 3.11, Windows 95, Windows 98

Zugeingabe: Magnetsensoren

Zugausgabe: 64 Feld-LED´s

Programmierer: Chrilly Donninger

Kompatible DOS – Programme:

GENIUS 2 + 3

KALLISTO 1.82 + 1.98 + 2

CHESS SYSTEM TAL (bei Aufruf „/c232“ eingeben)

HIARCS 3.0 + 6.0

MCHESS PRO 3.5 + 4.0 (unter DOS Memmaker ausführen, XMS-Speicher-Anpassung)

WCHESS 1.03 + 1.06 (Modifizierung der Config.sys mit „ NOEMS“)

Erstaunlicherweise ist dieses Board aber zu noch mehr fähig. Sein Einsatzraum erweitert sich auf Betriebssysteme der neueren Zeit. Dank der GUI-Programmoberläche Arena 3.5 ist es auch in der Jetztzeit möglich, diese alte Technik weiterhin sinnvoll zu verwenden.

Arena Chess for Windows: Autoplayer 232 (in der letzten Version 3.5 vorhanden), welcher natürlich konfigurierbar ist.

Folgende Motoren (Schachengines) können eingesetzt werden:

Alle Winboard wie UCI-Schnittstellen-programmierten Engines (Lc0, Stockfish, Komodo, Houdini, Hiarcs, Junior, Wasp, Hannibal + + +). Hunderte mehr, viele davon als Freeware in ständiger Entwicklung.

Emulationen alter Schachcomputer (Mephisto, Novag, Fidelity, Chafitz + + +)

Voraussetzung für das soeben alles Erwähnte ist: eine Verbindung per seriellem „FTDI-Chip – USB-Adapter“ (Hardware-Stick)

Einsetzbar auf folgenden Systemen: Windows XP aufwärts, inklusive Windows 10

Sogar über die DOSBOX 0.74 kann eine Verbindung zu den ein oder anderen dieser alten Programmen virtuell hergestellt werden. Dafür muss allerdings in der Konfigurations-Datei der DOSBOX eine Zeile erstellt werden, damit diese Funktion durchgeschleift wird.

Dieser Befehl lautet: „serial1=directserial realport:com1 defaultbps:9600 parity:n bytesize:8 stopbit:1“

Installation für die oben angeführten, älteren IBM-kompatiblen Rechner:

Ein handelsüblicher PC älteren Baujahrs mit serieller/paralleler Schnittstelle sollte noch vorhanden sein. Unabhängig davon, ob das ein Pentium 1 ist, ein 80486 oder ein 80386. Denn die damalige Hardwarestruktur war perfekt für die alten Betriebssysteme konzipiert..

Um es kurz zu erläutetn: im ersten Schritt die „install.exe“ im Chess232 Verzeichnis aufrufen (Treiberdiskette von Chrilly Donninger) und das Schachprogramm auswählen für die Maus im DOS bereits installiert ist.

Es funktioniert aber auch einwandfrei über die Tastatur und Eingabemaske.

Danach kommt die Abfrage, wo die Datenquelle liegt, hier „a:“ eingeben, denn vom „c:“ – Pfad nimmt er es nicht an. Warum? Meiner Vermutung nach liegt die Ursache eher darin begründet, das Mitte der Neunziger nur eine Installation von Diskette vorgesehen war.

Anschließend den Pfad korrigieren, in dem das Programm auf der Festplatte liegt (z.b. c:\chesspro\genius~3) und den Startbefehl (z.b. cg3dos.exe), der aber nie gleich lautet (weil programmabhängig), in die Maske eintragen.

Zuletzt den COM-Port auswählen, sei es COM1 oder COM2. Die „Y“ Abfrage mit Enter quittieren und die Treiberdatei wird normalerweise erfolgreich installiert.

Tipp: die PC-Programme von der Diskette auf die Festplatte kopieren. Weil es den Aufruf der Software erheblich erleichtert als auch beschleunigt und darüber hinaus die Treiberdateien von Chrilly Donninger aus dem eigenen Programm-Verzeichnis aktiviert werden können.

DOS-PC-Schach – Software Genius 3

DOS-PC-PROGRAMME

Werde einfach in der Folge so einige Programme kurz umreißen. Aus der Computer-Ära von damals.

Den Anfang macht Genius 3 , ein legendäres Programm, das durch die Zeit streifte. Selbst auf dem Android OS ist es als Chess Genius immer noch allgegenwärtig.

Nach der Installation am Rechner besteht die Möglichkeit des Anschlusses an folgende Boards, Module:

CHESS 232 + Elektronik extern

Mephisto-PCBrett

Mephisto-PCModul

2-dimensionales PC-Programm

Programmierer: Richard Lang

Betriebssystem: DOS 6.22/ Windows 95/98/ Dosbox 0.74

fast programmidentisch: Mephisto Genius London 68030

Spielstärke: 2311 ELO * (IBM Pentium 90Mhz)

* diese Angaben besitzen keine feste Allgemeingültigkeit

Diese Programme sind Relikte aus dem letzten Jahrhundert. Je nach Entwicklungsjahr kam die Software zuerst für den PC auf den Markt oder sie basierte stattdessen auf dem EPROM-Code, der zu jener Zeit nicht selten in Assembler geschrieben wurde und somit überwiegend in dedizierten Schachcomputern zum Einsatz kam.

Die Anpassungen an die jeweilige Architektur war vermutlich nur die eine Herausforderung,. Gleichermaßen ging es auch darum, die kleiner dimensionierten Hardwarebausteine wie sie beispielsweise in den Mephisto Schachcomputern verbaut wurden, effektiv so zu nutzen, das dennoch eine maximal gute Spielleistung erreicht werden konnte.

Hier haben wir es ausschließlich mit 16-bit Programmen zu tun. Deshalb brauchen wir wieder eine DOS-Umgebung wo diese lauffähig sind. Die DOSBOX emuliert uns ein komplettes Betriebssystem mit Treibern. Wer also noch die Befehle kennt, wird sich darin schnell zurechtfinden. Einfach die Dosbox aus dem Internet herunterladen, die Installation starten und danach vom Desktop aus als Programm öffnen. Später werde ich darauf noch mehr eingehen. Da tun sich unendlich viele Möglichkeiten auf.

Auf der c: Partition der Festplatte einen Ordner anlegen (Beispiel: Dosprogs). In diesen Ordner die entpackten Schachprogramme ablegen, damit wir später Zugriff darauf haben. Als Vorbau sind diese paar Schritte zu erledigen.

Das erste „c:“ steht für die DOSBOX selbst, sprich als internes Laufwerk. „c:\dosprogs“ ist das Quell-Verzeichnis, das wir ansprechen wollen. Der untenstehende Befehl koppelt das Verzeichnis auf der Festplatte ins interne System der DOSBOX.

Das wird mit dem „mount“-Befehl erreicht. Als Beispiel mit folgender Eingabe: mount c: c:/dosprogs

Als nächsten Schritt wollen wir in das Laufwerk c: wechseln und das Verzeichnis mit den Programmdaten öffnen. Jetzt haben wir den Ordnerinhalt vor uns liegen, nachdem wir auf c: gewechselt sind und mit dem „dir“ Befehl nun den Verzeichnisbaum sehen können.

Dort liegen einige interessante Schachprogramme, die selbst heute noch spielstarke Gegner sind, aber im allgemeinen halt nicht mehr die Popularität von früher besitzen.

Mit dieser Befehlsstruktur sehen wir uns einfach mal das „GENIUS3“ von Richard Lang näher an. Diese Software steckt auch im legendären „Genius London 68030“ Modul von Mephisto drinnen. Dort lief es auf einer 68030 CPU von Motorola mit 33 Mhz.

Auch die Laptops „Berlin 68000, Berlin Professional 68020“ aus der schwarzen Mephisto-Serie sind mit dem London EPROM aufrüstbar. Der Spielstil wird passiver, abwartender. Dennoch minimal stärker.

Die PC-Version wurde für den Intel IBM-Rechner programmiert. Zu dieser Zeit waren um 66 Mhz fast obere Fahnenstange. Vor allem der damals kostenintensive 80486 war zu jener Zeit nur im Besitz sehr Weniger, abgesehen von Firmen oder privaten Freaks, weil das in den Neunzigern noch ein teures Hobby war.

In der Befehlszeile im DOS, wo das umfangreiche Verzeichnis mit den Schachprogrammen liegt, die Anweisung „gen3com.com“ eingeben um im Vorfeld den Treiber für das Programm zu starten.

DOS bestätigt die Aktivierung. Erst danach mit dem Befehl „cg3dos.exe“ das GENIUS3 Programm selbst aufrufen. Im Anschluss gelangt man ins Fenster und kann New Game oder Continue anklicken.

Nicht zuletzt kann per paralleler Schnittstelle (LPT) auch das PC-Modul aktiviert werden. Auf dieses Mephisto-Modul von 1996 komme ich noch ausführlicher zurück. Damit wurde es möglich, aus einem Mephisto Modular, Exclusive oder München-Brett mit jeweils 64 LED´s und Magnetsensoren die Verbindung zu starken Programmen auf dem PC herzustellen.

Ein DOS 6.22 oder Windows 3.11 entsprach bereits den Anforderungen. Sicher, beide ermöglichten nur eine 16-bit Befehlsstruktur. Die Schachsoftware wurde jedoch exakt dafür geschrieben. Erst Windows 95 hatte eine 32-bit-Struktur, konnte aber wie später Windows 98 jederzeit in den DOS-Modus wechseln um die Kompatiblität zu alter Software gewährleisten zu können. Erst nachdem ab Windows 2000 das Betriebssystem auf dem NT-Kernel basierte, trat für die „Alten“ eine Zeitenwende ein.

Als Weiterentwicklung folgte die UCI-Schnittstelle und läutete neben kommerziellen Interessen die Ära der OpenSource Software ein, wodurch Projekte entstanden, die, wie heute bekannt, in Stockfish mündeten und sich vor allem wegen dessen unentwegten Fortschritts großer Beliebtheit erfreuen. Denn als Analysewerkzeug ist es neben einigen anderen Top-Engines extrem stark. Teilweise wird auch mit KI-Implementierungen experimentiert, wodurch es zukünftig um deren Entwickler immer spannend bleiben dürfte.

Mephisto Rechenmodul MM II (1985) – Brute Force Strategie

Ulf Rathsman entwickelte 1985 ein unkonventionelles Modul, vergleichbar mit einem starken Kaffeehaus-Schachspieler. Das Elo-Rating ist recht realistisch und im Endspiel ist das Gerät auch nicht zu unterschätzen, denn auf zehn Halbzüge übersieht er im Prinzip eigentlich nichts deutlich Schwerwiegendes. Beurteile ich seinen Spielstil empfinde ich ihn als eher abenteuerlustig. Wenn man sich anstrengt, gelingen schon Siege und Remisen. Passt man aber nicht auf, ist man schnell durch taktische Kombinationen im Hintertreffen.

Versteht man es zudem seine Angriffe frühzeitig zu blockieren, kann man mit sorgfältigem Positionsspiel recht gut gegenhalten. Wohl deshalb, da seine Spielanlage sehr rechenlastig orientiert ist, wodurch er auch anfälliger für wirklich fundierte Strategien wird.

Ist das Gerät somit für ambitionierte Spieler zu empfehlen?

Das hängt von zwei Aspekten ab, vielleicht auch drei oder sogar mehr. Ja witzig, nur ist es zum einen nicht unerheblich das HG240 Modul zu verwenden, dass eine Turnierbibliothek mit sich bringt und die Eröffnungen besser behandelt. Zum anderen inwieweit einem der Spielstil zusagt, also, wer taktisches Schach liebt, bitte zugreifen. Für Blitzschachspieler auch sehr gut geeignet, die eigenen taktischen Fähigkeiten zu trainieren.

Was hinzu kommt, es existiert auch ein Modul mit 7,4 Mhz Taktung, wodurch es einen Tick stärker spielt und durchaus die 1800 Elo überschreitet. Doch das Grundmodul hat immerhin bereits ca. 1750 Elo und entspricht einem starken Freizeitspieler. Von diesem Programm gibt es sogar eine 100 Mhz Taktung (neue Entwicklung) in Form eines FPGA-Chips als Prozessoremulation. Dadurch wird das Programm taktisch noch schärfer und dürfte meines Erachtens Elo 1900 leicht überschreiten.

Dieses Rechenmodul berücksichtigt weniger die positionellen Aspekte, hier wirkt er gelegentlich löchrig, was ihm selbst gegen einen im Prinzip veralteten M-II (6,1 Mhz) zum Verhängnis werden kann. Verwendet man das Modul ausschließlich zum Taktiktraining, ist es schon wesentlich interessanter. Für das Blitzschach ist dieses Modul genial einsetzbar. Das Rathsman-Programm, das hier in der modularen Serie von Mephisto, zwischendurch eingeschoben wurde, ist vor allem dann wirklich gewöhnungsbedürftig, wenn man die Spielweise des MM I anschaut, der hochselektiv rechnet und weitaus positioneller spielt. Der Stil des MM I war deutlich menschlicher geprägt, der des MM II dafür um einiges stärker.

Dennoch war es gerade dieses zweite Modul (laut SSDF von 1992 immerhin 1773 Elo stark), das Spielern in Vereinen etwas Respekt abnötigte. Offensichtlich war man von der reinen Rechentaktik damals etwas überrascht und es fiel schwerer ein Konzept zu finden, das auf Anhieb erfolgversprechend war. Was mich nicht verwundert, denn ich erinnere mich daran, das selbst der Berlin 68000, der in diesem Fall auf die C1 Blitzschachstufe eingestellt war, gegen den MM II nur ein Remis erreichte. Nicht ohne anzufügen, dass das Modul auf der üblichen Turnierzeit seine Züge errechnen konnte. Und dem MM II kommt der Zuwachs an Bedenkzeit sehr zu Gute.

Mephisto Berlin – ein technisches Highlight von 1992

Hier spielt weitgehend ein Vancouver 16-bit im Laptop der Mephisto Serie. Wenn man von zwei weiteren möglichen Einstellungen in der Bibliothek und den 256 KB ROM, also etwas mehr Programmspeicher das im Modul integriert ist, absieht. Der Berlin verfügt über ein abgespecktes ROM mit 128 KB. Richard Lang gelang es, mehr und mehr Highend Module auf den Markt zu bringen, die vor allem solide spielen. Die verwendete Hardware war die am besten Ausgestattete, die Mephisto bis dahin in ihre Gerätschaften einbaute. Es war die erfolgreichste Produktlinie der Hegener & Glaser GmbH.

Seit dieser Zeit kamen auch Hashtables zum Einsatz, was natürlich wesentlich besser dimensionierte RAM-Bausteine (hier 512 KB) brauchte als dies zuvor der Fall war. Die ROM-Bausteine waren gleichermaßen besser ausgelegt und so war es möglich den Programmen deutlich mehr Wissen und Prinzipien mit auf den Weg zu geben. Die Hardware wurde mit einer 68000´er CPU von Motorola für den 16-bit-Adressbereich bestückt.

Berühmt wurde der Programmierer Richard Lang für die damalige Zeit, mit seinen erheblich verbesserten Endspielalgorithmen. Gleichzeitig hatte eine umfangreiche Eröffnungsbibliothek Platz auf der Hardware und man konnte auf diese Weise für Turnierspieler viele moderne Eröffnungsvarianten aus Großmeisterturnieren der vergangenen Jahrzehnte realisieren. Damit war für mehr Facettenreichtum gesorgt, der starken Vereinsspielern ein hohes Maß an Trainingsmöglichkeiten garantierte.

Wer jetzt meint, der Berlin 68000 steht für ein spektakuläres Angriffsschach, der irrt. Das Mittelspiel wird vom Programm eher solide und unspektakulär behandelt. Dahinter liegt aber eine nicht zu unterschätzende taktische Schlagkraft, die meist erst dann zum Tragen kommt, wenn er den richtigen Moment dafür abgewartet sieht. Auf diese Weise herbeigeführte Wendungen gibt er dann kaum mehr zurück, weil er selbst gar geringfügig erspielte Vorteile, im Endspiel nicht mehr so leicht abgibt. Denn gerade hier kommt eine seiner weiteren Stärken zum Vorschein, die selbst für einen Turnierspieler eine Herausforderung darstellt. Das Endspiel gegen den Berlin 68000 muss erst mal gehalten werden. Vor allem in Situationen, wo die eigene Stellung auch nur geringfügig nachteiliger auf dem Brett ist.

Natürlich machte ich mich auch hier ans Werk, weil ich die Unterschiede einfach sehen wollte. Ich lasse dabei nicht unerwähnt, dass ein Turniersieg über zahlreiche Partien gegen dieses Gerät für mich nicht machbar wäre. Jedoch, in Einzelpartien, bei kurz eingestellter Bedenkzeit ist dagegen der ein oder andere Erfolg durchaus möglich.

Sicherheitshalber wählte ich die „Berliner Verteidigung“ in der Spanischen Partie, wohlwissend das hier die Chancen am besten liegen. Und sieh da, wir befanden uns zum zu guter Letzt in einem festgefahrenem Bauernendspiel. In einer Art Bastion, mit jeweils einem Turm hinter den Linien.

Dreifache Zugwiederholung führte so ins Remis. Später habe ich es nochmal mit Weiß probiert. Diesmal spielte der Berlin 68000 die „Sizilianische Verteidigung“. Gegen die zu spielen macht mir auch eher Spaß. In dieser Partie konnte ich nur mit Mühe und Not dem Druck des Programms standhalten und das Spiel endete gleichermaßen im Remis. Witzigerweise kam erneut ein Turm + Bauernendspiel auf´s Brett. Falls einem in dieser Phase keine spürbare Ungenauigkeit unterläuft, enden diese Strukturen in den allermeisten Fällen unentschieden.

Im Direktvergleich mit dem Milano Pro sind die Partien keine Selbstläufer und enden in vielen Fällen auf einem ähnlich hohen Level. Die Kunst des Lavierens in einem stellungsbetonten Mittelspiel beherrscht der Berlin 68000 hervorragend. Kommt man gegen ihn solide aus der Eröffnung, so erlebt man kein taktisches Feuerwerk, sondern nimmt ihn stattdessen zu Beginn des Mittelspiels eher als zurückhaltend wahr. Trotzdem versteht er es, sich solide zu entwickeln und druckvolle Stellungen zu erzeugen.

Das im Mephisto Berlin geschriebene Programm, welches mit dem Vancouver 16-bit nahe verwandt ist, wurde durch seinen fast menschenähnlichen Spielstil sehr beliebt.

Es entstammt meines Wissens nach dem PC-PROGRAMM Genius 1.

Wodurch die Software sehr selektiv rechnet und in positionellen Partien zu einem schwierigen Gegner wird. Somit zwar taktisch minimal anfälliger, aber das ist die Balance, die für einen Programmierer nicht immer leicht handelbar ist.

Die Partien gegen ihn sind aber grundsätzlich sehr spannend. Allein schon deswegen, weil er aus seiner Turnierbibliothek ziemlich vielseitig spielt, einschließlich des „lettischen Gambits“. Dieses Table-Gerät läßt wenig Angriffschancen zu und versteht es gleichzeitig seine Figuren so in Stellung zu bringen, das eine Basis für schnelle taktische Schläge ermöglicht wird. Man könnte fast sagen, er legt sein Spiel längerfristig, wie aus einem Guß gefertigt, an und spielt mehr strategisch. Das Endspiel behandelt er zudem recht souverän und ist deswegen kein leicht besiegbarer Schachcomputer.

In Computervergleichen konnte er den Milano Pro mit 12:8 bei externen Veranstaltungen in seine Schranken verweisen. Doch darf man hier nicht übersehen, das der Berlin 68000 jederzeit auch am taktischen Angriffsspiel seines Kontrahenten scheitern kann. Gegen den RISC 2500 verliert der Berlin 68000 deutlich mit 14,5:5,5. Hier sieht man wieder die auftretenden Schwankungen im Verhältnis der Brettcomputer untereinander sehr deutlich. Eine richtige Dominanz ist wirklich selten zu beobachten. Denn der Milano Pro zeigt gerade gegen den hinsichtlich der Elo-Performance taktisch sehr versierten RISC 2500 seine Stärken. Hier verliert das Programm von Frans Morsch lediglich mit einem Zähler, sprich mit 10,5:9,5 und zieht sich damit tapfer aus der Affäre. Im RISC 2500 arbeitet ein Johan de Koning Programm auf einem ARM 6 Prozessor mit einer Performance von ELO 2250, im Taktikbereich mit sogar über 2300 Elo.

Während in diesem Fall (gegen den RISC 2500) der Berlin 68000 vergleichsweise mehr oder minder einiges an Verlustpartien mehr einstecken musste. Dadurch sind die Ergebnisse zwischen Computer-Computer und Mensch-Computer-Partien unterschiedlicher als vielleicht oft angenommen wird.

Der geprägte Begriff „Angstgegner“ ist auch zwischen Computern keine unbedingte Seltenheit.

Das liegt vor allem an den Algorithmen der Vielzahl an verfügbaren Programmen, ob und inwieweit die Spielstärke mehr gegen Menschen oder Computer zum Tragen kommt. Wobei es natürlich auch hier keine Konstanten gibt, weil Menschen selten stets gleich spielen, noch weniger als Maschinen, die für gewöhnlich nicht mit dem zweitbesten Zug (je höher die Spielstärke, desto weniger ist er es denn tatsächlich objektiv) reagieren. Wohingegen der menschliche Spieler das in bestimmten Stellungsmotiven aus anderen Gründen eher tun wird.